Emotionale Intelligenz & Weisheitskompetenzen

Was Führungspersönlichkeiten von Führungspersonen unterscheidet

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Das Konzept der emotionalen Intelligenz

Die amerikanischen Psychologen John D. Mayer und Peter Salovey haben im Jahr 1990, in Anlehnung an den in der Psychologie heiß diskutierten Intelligenzbegriff und aufbauend auf der Theorie der multiplen Intelligenzen von Howard Gardner, das Konzept einer „emotionalen Intelligenz“ entwickelt. Es handelt sich dabei um die Kompetenz mit Emotionen umzugehen und wird daher auch als emotionale Kompetenz bezeichnet. Soziale Kompetenzen, die auf emotionalen Kompetenzen beruhen, sind im Unternehmenskontext höchst relevant, wenn man bedenkt, dass es sich hier um soziale Systeme handelt, in denen die Qualität der sozialen Interaktionen direkten Einfluss auf den Geschäftserfolg hat. 

Schauen wir uns also einmal die sozialen Kompetenzen genauer an. Wir verwenden im Folgenden die Beschreibung von Daniel Goleman aus seinem 1995 erschienenen Buch „EQ – Emotionale Intelligenz“:

Persönliche & Soziale Kompetenzen

Im ersten Schritt unterscheidet Goleman Persönliche und Soziale Kompetenz. Hier eine kleine persönliche Anmerkung: Bei Goleman stehen diese gleichberechtigt gegenüber und sie scheinen unabhängig zu sein. Das bestreiten wir und behaupten, dass die Soziale Kompetenz auf der Persönlichen aufbaut. Dies kommt auch in unserem Metakompetenzmodell, das in einem eigenen Text vorstellt wird, zum Ausdruck.

Goleman unterteilt die Persönliche Kompetenz weiter in Selbstwahrnehmung & Selbstmanagement, während er Soziale Kompetenzen in Soziales Bewusstsein & Beziehungsmanagement unterteilt. Die jeweiligen Unterkategorien unterteilen sich wiederum weiter. Eine kleine Übersicht finden Sie in dieser Graphik:

Schauen wir uns nun diese Unterteilungen weiter an und beginnen mit dem Punkt Selbstwahrnehmung. Unterpunkte sind hier: Emotionale Selbstwahrnehmung, eine zutreffende Selbsteinschätzung und Selbstvertrauen. Wir sehen schon, dass es durchaus auch andere Arten geben könnte, wie man diese Fähigkeiten und Eigenschaften kategorisieren kann und dass die Einteilung wieder auf einigen ziemlich unklaren Begriffen aufsetzt. Emotionale Selbstwahrnehmung bedeutet hier, sich der eigenen Emotionen und ihrer Wirkung bewusst zu sein, sich bei Entscheidungen auch von der Intuition leiten zu lassen. Zutreffende Selbsteinschätzung meint: seine Stärken und Grenzen zu kennen und Selbstvertrauen, sich seines Wertes und seiner Fähigkeiten bewusst sein.  Der Begriff Selbst und alle abgeleiteten Begriffe sind natürlich ziemlich schwierig. An Selbstvertrauen, Selbsteinschätzung, Selbstwert, Selbstkonzept, die Unterscheidung zwischen Ich und Selbst usw. kann man sich genüsslich und auch sinnvoll abarbeiten. Während die zutreffende Selbsteinschätzung für alle, die sich den Beitrag über das Johari-Fenster angesehen haben, schon ziemlich klar ist, ist Selbstvertrauen vermutlich etwas schwammiger, ja manchmal sogar im Widerspruch zu einer zutreffenden Selbsteinschätzung.

In der hier gegebenen Definition halten wir Selbstvertrauen für redundant, denn wenn ich meine Stärken und Fähigkeiten richtig einschätze habe ich auch in dem hier genannten Sinn ein Bewusstsein über meinen Wert und meine Fähigkeiten. Wir halten das Selbstvertrauen trotzdem hier für sinnvoll, da es  auch eine Handlungstendenz inkludiert.

Der zweite Punkt im Bereich Persönlicher Kompetenzen ist nun das Selbstmanagement, das wiederum die Emotionale Selbstkontrolle, als die Fähigkeit beinhaltet, negative Emotionen und Impulse unter Kontrolle halten zu können. Dies ist nun die Handlungskomponente zur emotionalen Selbstwahrnehmung. In meinem Metakompetenzmodell fasse ich diese Aspekte im Bereich Emotionsmanagement zusammen. Goleman nennt hier zwar ausschließlich negative Emotionen, die kontrolliert werden sollten, aber jeder, der manische Personen kennt, weiß, dass es auch ein Zuviel an positiven Emotionen geben kann. Emotions- und Impulskontrolle (und selbstverständlich damit verbunden auch Emotionswahrnehmung und Emotionsbenennung) sind tatsächlich eine Metakompetenz in unserer Gesellschaft.

Ein sehr bekanntes Experiment machte dazu der österreichisch-amerikanische Psychologe Walter Mischel, der ungefähr vier Jahre alten Kindern ein Marshmallow vor die Nase legte und ihnen erklärte, dass er den Raum verlassen würde. Wenn das Kind eine Glocke läutet, würde er zurückkommen und es würde eine zweite Leckerei bekommen. Würde es aber warten, bis er selbst zurückkam, gäbe es zwei davon. Wenn das Kind die Glocke nicht läutete kam der Experimentator nach 15 Minuten zurück. Die Besonderheit war nun, dass Mischel sich jahrelang die schulischen Erfolge der Kinder ansah, die an dem Experiment teilgenommen hatten und es zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der Zeit, die diese Kinder auf die Belohnung warten konnten und ihrem Schulerfolg. Emotions- und Impulskontrolle haben also viel Einfluss auf das was hier als „Erfolg“ definiert wurde. Das ist auch aus unserer Sicht sehr leicht nachvollziehbar. Wer es aushält negative Emotionen für eine spätere Belohnung aufzuschieben, also beispielsweise für eine Prüfung lernt, statt Fußball spielen zu gehen, hat wohl bessere Chancen bei der Prüfung.

Die anderen Komponenten des Selbstmanagements sind:

  • TRANSPARENZ, die hier für Aufrichtigkeit, Integrität und Vertrauenswürdigkeit, also ethische Aspekte steht,
  • ANPASSUNGSFÄHIGKEIT, die als flexible Anpassung an Veränderungen definiert wird,
  • LEISTUNG als innerer Antrieb die eigenen hohen Standards zu erreichen,
  • INITIATIVE als die Bereitschaft zu handeln und
  • OPTIMISMUS als die Fähigkeit die positiven Aspekte zu sehen

Wir sehen schon: es handelt sich um ein sehr breites und umfassendes Konzept, da jeder dieser Punkte Ausgangsbasis für eigene Forschungsgebiete ist. So ist Optimismus ein zentraler Bestandteil der positiven Psychologie, wie sie durch den amerikanischen Psychologen Martin Seligman und andere untersucht wurde. Also gibt es über jeden einzelnen dieser Punkte noch ziemlich viel zu sagen und höchst spannende Forschungsarbeiten und Erkenntnisse.

Schauen wir uns nun noch den zweiten Teil der Emotionalen Intelligenz, die Sozialen Kompetenzen an, die sich in das soziale Bewusstsein und das Beziehungsmanagement unterteilen. Auch hier finden wir, wie im ersten Teil, die Unterscheidung in Wahrnehmung sowie Kontrolle bzw. Handlung.

Unter dem Punkt Soziales Bewusstsein, finden wir

  • EMPATHIE, als die Fähigkeit, Emotionen anderer wahrzunehmen,
  • ORGANISATIONSBEWUSSTSEIN: Systeme, Regeln und Gruppen erkennen und verstehen
  • SERVICE: Bedürfnisse von Mitarbeitern und Kunden erkennen.

Diese Fähigkeiten richten sich schon an ihrer Bedeutung für Organisationen aus. Dies werden wir im Konzept der emotionalen Führung, das Goleman entwickelt hat, wiedertreffen. Das gilt auch für den letzten Punkt, das Beziehungsmanagement. Darunter fallen:

  • die INSPIRIERENDE FÜHRUNG, die Fähigkeit mit einer überzeugenden Vision zu lenken und zu motivieren,
  • der EINFLUSS: verschiedene Taktiken einzusetzen, um andere zu überzeugen,
  • die ENTWICKLUNGSFÖRDERUNG: als die Fähigkeit, andere durch Feedback und Anleitung zu verbessern,
  • die Fähigkeit VERÄNDERUNGSKATALYSATOR zu sein, also Veränderungen zu initiieren, zu managen und zu lenken,
  • das KONFLIKTMANAGEMENT, hier lediglich als Fähigkeit Meinungsverschiedenheiten lösen zu können beschrieben,
  • die Fähigkeit Bindungen aufzubauen, also NETWORKING zu betreiben und die Fähigkeit zu Teamwork und Kooperationen.

Der Punkt Beziehungsmanagement zielt stark auf eine bestimmte Art von Beziehung und eine spezielle Art dieser Beziehung ab, nämlich den Führungskontext. Dabei möchten wir anmerken, dass Führung keinesfalls auf den organisationalen Kontext beschränkt ist. Eine der wichtigsten Führungsaufgaben ist beispielsweise die Elternschaft. Führung ist ein natürliches soziales Phänomen, das in Wirklichkeit in jeder sozialen Beziehung auftritt. In allen diesen Fällen hilft eine hohe emotionale Intelligenz.

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