Emotionale Intelligenz

Emotionale Intelligenz

 

Die amerikanischen Psychologen John D. Mayer und Peter Salovey haben im Jahr 1990 in Anlehnung an den in der Psychologie heiß diskutierten Intelligenzbegriff und aufbauend auf der Theorie der multiplen Intelligenzen von Howard Gardner das Konzept einer „emotionalen Intelligenz“ entwickelt. Es handelt sich dabei um die Kompetenz mit Emotionen umzugehen und wird daher auch als emotionale Kompetenz bezeichnet. Bekannt wurde die emotionale Intelligenz vor allem durch das 1995 erschienene Buch "EQ-Emotionale Intelligenz" von Daniel Goleman. 

In der Psychologie wird das Konzept kontrovers diskutiert, allerdings aus unserer Sicht unter den falschen Prämissen. Einerseits dreht sich die Diskussion um die Frage, ob es sich bei der emotionalen Kompetnez tatsächlich um eine "Intelligenz" handelt, was eine ziemlich akademische Frage ist und andererseits welche Auswirkungen unterschiedliche Ausprägungen dieses Konstrukts haben. So kommen Ernest H. O'Boyle Jr. und seinen Kollegen in einer Metaanalyse im Jahr 2011 zu dem zu dem Ergebnis, "dass die Vorhersagekraft von emotionaler Intelligenz für den Berufserfolg auch von der Art des Messinstrumentes abhängt, mit dem emotionale Intelligenz gemessen wird. So können Leistungstests basierend auf dem Model nach Mayer und Salovey den Berufserfolg nicht besser vorhersagen als die Kombination aus kognitiver Intelligenz und den fünf Persönlichkeitsdimensionen.“ Bei den fünf Persönlichkeitsdimensionen handelt es sich um die sogenannten „Big 5 der Persönlichkeitspsychologie“. Was das genau bedeutet, ist für meine weitere Ausführung nicht relevant. Die Studie ist aus unterschiedlichen Gründen methodisch angreifbar. Dass ein ziemlich abstraktes (und erfundenes) Konzept selbstverständlich davon abhängt mit welchen - ebenfalls erfundenen Messinstrumenten - ich messe, ist ziemlich klar, auch wenn jetzt viele PsychologInnen aufstöhnen werden, da es ja gerade darum ginge, ein Konzept so eindeutig zu beschreiben, dass bei solchen Messungen valide also „richtige“ Ergebnisse herauskommen. Dies halte ich im Wesentlichen, außer bei sehr, sehr einfachen Konzepten für einen Mythos in der Psychologie. Dinge wie „Extraversion“ sind eben nicht mit Längen oder Gewicht gleichzusetzen. Was hier zusätzlich noch implizit unterstellt wird, ist, dass emotionale Intelligenz etwas mit dem Berufserfolg zu tun haben könnte.

Emotionale Intelligenz beschreibt, stark verkürzt, die Fähigkeit soziale Beziehungen herzustellen und positiv zu gestalten. In sozialen Systemen wie Organisationen bzw. Unternehmen in denen vielfach Erfolg das Ergebnis von gemeinsamen Anstrengungen ist, ist es ziemlich leicht nachzuvollziehen, dass hohe soziale Intelligenz vorteilhaft ist. Ein Mangel entsprechender Fähigkeiten, insbesondere von EMPATHIE ist ein Kennzeichen der "dunklen Tetrade" die sich aus Narzissmus, Macciavelismus, Psychopathie und Sadismus zusammensetzt. Mitgefühl ist ein Luxus den man sich als Tyrann einfach nicht leisten kann und eine Eigenschaft, die dem Zug zur Macht im Wege steht. Die logische Folge ist, dass es in Politik und Wirtschaft von Personen mit hohen Werten auf den Skalen der dunklen Tetrade nur so wimmelt. Je nachdem wie nun „beruflicher Erfolg“ gemessen wird, kann man schon sehen, dass eine Durchschnittsbetrachtung der Frage „Hängt der Berufserfolg mit emotionaler Intelligenz zusammen?“ nicht besonders hilfreich ist. Ein weiterer Aspekt ist, dass Menschen, die höhere Werte bei Messungen von emotionaler Intelligenz oder anderen Arten sozialer Kompetenz haben, oft auch entsprechende Wertesysteme haben und somit Geld und Macht möglicherweise nicht die primäre Motivationsquellen sind. Ich sehe das ausgesprochen oft im Coaching von Führungskräften, wenn diese entweder nicht für den Kampf um die nächsthöhere Beförderungsstufe ihren Hut in den Ring werfen, weil ihnen anderes viel wichtiger ist, oder sie sogar aus Firmen ausscheiden, um sich anderen, für sie sinnstiftenderen Tätigkeiten, die aber deutlich schlechter bezahlt sind, zu widmen. Alle diese Fälle belegen sogar einen negativen Zusammenhang zwischen emotionaler Intelligenz und beruflichem Erfolg. Es kommt nämlich dabei stark darauf an wie ich das Konstrukt „Erfolg“ messe, das eben auch keine einfache physikalische Größe ist. Die Umwandlung von solchen nicht direkt messbaren Dingen in messbare, heißt in der Wissenschaft übrigens Operationalisierung und ist eines der Kernthemen bei der Entwicklung von Messinstrumenten.

Schauen wir uns also einmal die sozialen Kompetenzen genauer an. Ich verwende im Folgenden die Beschreibung von Daniel Goleman aus seinem 1995 erschienenen Buch „EQ – Emotionale Intelligenz“:

Im ersten Schritt unterscheidet Goleman Persönliche und Soziale Kompetenz. Hier eine kleine persönliche Anmerkung: Bei Goleman stehen diese gleichberechtigt gegenüber und sie scheinen unabhängig zu sein. Das bestreite ich und behaupte, dass die soziale Kompetenz auf der persönlichen aufbaut. Dies kommt auch im Metakompetenzmodell zum Ausdruck. Goleman unterteilt die Persönliche Kompetenz weiter in Selbstwahrnehmung & Selbstmanagement, während er Soziale Kompetenzen in Soziales Bewusstsein & Beziehungsmanagement unterteilt.

Betrachten wir nun diese Unterteilungen weiter und beginnen mit dem Punkt Selbstwahrnehmung. Unterpunkte sind hier: Emotionale Selbstwahrnehmung, eine zutreffende Selbsteinschätzung und Selbstvertrauen. Wir sehen schon, dass es durchaus auch andere Arten geben könnte, wie man diese Fähigkeiten und Eigenschaften kategorisieren kann und dass die Einteilung wieder auf einigen ziemlich unklaren Begriffen aufsetzt. Emotionale Selbstwahrnehmung bedeutet hier, sich der eigenen Emotionen und ihrer Wirkung bewusst zu sein; Sich bei Entscheidungen auch von der Intuition leiten lassen. Zutreffende Selbsteinschätzung meint: seine Stärken und Grenzen zu kennen und Selbstvertrauen: Sich seines Wertes und seiner Fähigkeiten bewusst sein. In der hier gegebenen Definition halte ich Selbstvertrauen für redundant, denn wenn ich meine Stärken und Fähigkeiten richtig einschätze habe ich auch in dem hier genannten Sinn ein Bewusstsein über meinen Wert und meine Fähigkeiten. Ich halte das Selbstvertrauen trotzdem hier für sinnvoll, da es für mich auch eine Handlungstendenz inkludiert.

Der zweite Punkt im Bereich persönlicher Kompetenzen ist nun das Selbstmanagement, das wiederum die Emotionale Selbstkontrolle, als die Fähigkeit beinhaltet, negative Emotionen und Impulse unter Kontrolle halten zu können. Dies ist nun die Handlungskomponente zur emotionalen Selbstwahrnehmung. Im Metakompetenzmodell fasse ich diese Aspekte im Bereich Emotionsmanagement zusammen. Goleman nennt hier zwar ausschließlich negative Emotionen, die kontrolliert werden sollten, aber jeder der manischen Personen kennt, weiß, dass es auch ein Zuviel an positiven Emotionen geben kann. Emotions- und Impulskontrolle (und selbstverständlich damit verbunden auch Emotionswahrnehmung und Emotionsbenennung) ist tatsächlich eine Metakompetenz in unserer Gesellschaft.

Ein sehr bekanntes Experiment machte dazu der österreichisch-amerikanische Psychologe Walter Mischel, der ungefähr vier Jahre alten Kindern ein Marshmallow vor die Nase legte und ihnen erklärte, dass er den Raum verlassen würde. Wenn das Kind eine Glocke läutet, würde er zurückkommen und es würde eine zweite Leckerei bekommen. Würde es aber warten, bis er selbst zurückkam, gäbe es zwei davon. Wenn das Kind die Glocke nicht läutete kam der Experimentator nach 15 Minuten zurück. Die Besonderheit war nun, dass Mischel sich jahrelang die schulischen Erfolge der Kinder ansah die an dem Experiment teilgenommen hatten und es zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der Zeit, die diese Kinder auf die Belohnung warten konnten und ihrem Schulerfolg. Emotions- und Impulskontrolle haben also viel Einfluss auf das, was hier als „Erfolg“ definiert wurde. Wer es aushält negative Emotionen für eine spätere Belohnung aufzuschieben, also beispielsweise für eine Prüfung lernt, statt Fußball spielen zu gehen, hat wohl bessere Chancen bei der Prüfung. Auch Fußballspielern schadet übrigens Selbstdisziplin nicht. Wer der ersten Person auf der Straße eine reinhaut, auch wenn einem wirklich danach ist, wird wohl schnell in eine versperrte Unterkunft überstellt.

Die anderen Komponenten des Selbstmanagements sind:

TRANSPARENZ, die hier für Aufrichtigkeit, Integrität und Vertrauenswürdigkeit, also ethische Aspekte steht.
ANPASSUNGSFÄHIGKEIT, die als flexible Anpassung an Veränderungen definiert wird.
LEISTUNG als innerer Antrieb die eigenen hohen Standards zu erreichen,
INITIATIVE als die Bereitschaft zu handeln und
OPTIMISMUS als die Fähigkeit die positiven Aspekte zu sehen

Wir sehen schon: es handelt sich um ein sehr breites und umfassendes Konzept, da jeder dieser Punkte Ausgangsbasis für eigene Forschungsgebiete ist. So ist Optimismus ein zentraler Bestandteil der positiven Psychologie, wie sie durch den amerikanischen Psychologen Martin Seligman und andere untersucht wurde. Also gibt es über jeden einzelnen dieser Punkte noch ziemlich viel zu sagen und höchst spannende Forschungsarbeiten und Erkenntnisse.

Schauen wir uns nun noch den zweiten Teil der emotionalen Intelligenz, die sozialen Kompetenzen an, die sich in das soziale Bewusstsein und das Beziehungsmanagement unterteilten. Auch hier finden wir, wie im ersten Teil, die Unterscheidung in Wahrnehmung sowie Kontrolle bzw. Handlung.

Unter dem Punkt Soziales Bewusstsein, finden wir
EMPHATIE, als die Fähigkeit Emotionen anderer wahrnehmen,
ORGANISATIONSBEWUSSTSEIN: Systeme, Regeln und Gruppen erkennen und verstehen und
SERVICE: Bedürfnisse von Mitarbeitern und Kunden erkennen.

Diese Fähigkeiten richten sich schon an ihrer Bedeutung für Organisationen aus. Dies werden wir im Konzept der emotionalen Führung, das Goleman entwickelt hat, wiedertreffen. Das gilt auch für den letzten Punkt, das Beziehungsmanagement. Darunter fallen die:
INSPIRIERENDE FÜHRUNG, die Fähigkeit mit einer überzeugenden Vision zu lenken und zu motivieren,
der EINFLUSS: verschiedene Taktiken einzusetzen, um andere zu überzeugen,
die ENTWICKLUNGSFÖRDERUNG: als die Fähigkeit andere durch Feedback und Anleitung zu verbessern,
die Fähigkeit VERÄNDERUNGSKATALYSATOR zu sein, also Veränderungen zu initiieren, zu managen und zu lenken,
das KONFLIKTMANAGEMENT, hier lediglich als Fähigkeit Meinungsverschiedenheiten lösen zu können beschrieben,
die Fähigkeit Bindungen aufzubauen, also NETWORKING zu betreiben und die Fähigkeit zu Teamwork und Kooperationen.

Der Punkt Beziehungsmanagement zielt stark auf eine bestimmte Art von Beziehung und eine spezielle Art dieser Beziehung ab, nämlich den Führungskontext. Dabei möchte ich anmerken, dass Führung keinesfalls auf den organisationalen Kontext beschränkt ist. Eine der wichtigsten Führungsaufgaben aus meiner Sicht ist beispielsweise die Elternschaft. Führung ist ein natürliches soziales Phänomen, das in Wirklich in jeder sozialen Beziehung auftritt. In allen diesen Fällen hilft eine hohe emotionale Intelligenz.

 

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